Incoterms


Incoterms
International Commercial Terms. 1. Begriff und Zweck: Die I. sind internationale Regeln zur Auslegung handelsüblicher Vertragsformeln in Außenhandelsverträgen. Jeder Vertragsformel sind jeweils zehn Verpflichtungen des Verkäufers und des Käufers zugeordnet, in denen u.a. die Beschaffung der (Ein- und Ausfuhr-)Dokumente, der Abschluss von Beförderungs- und/oder Versicherungsverträgen sowie Form und Ort der Lieferung durch den Verkäufer festgelegt sind. V.a. aber regeln die I. die Frage des Gefahrenübergangs vom Verkäufer auf den Käufer sowie die Kostenteilung bez. Fracht, Versicherungsprämie, Einfuhr- und Ausfuhrzölle etc. Durch Vereinbarung der I. in Kaufverträgen wird die unterschiedliche Auslegung von  Handelsklauseln in den verschiedenen Ländern vermieden oder zumindest erheblich eingeschränkt. Gelegentlich werden die I. auch bei Inlandsgeschäften eingesetzt, wobei einzelne Verpflichtungen von Verkäufer und Käufer entfallen bzw. zu modifizieren sind. Die I. werden von der Internationalen Handelskammer (International Chamber of Commerce ( ICC), Paris) herausgeben, erstmals 1936. Die Entwicklung der internationalen Handelspraxis erfordert laufende Anpassungen der I., deren jüngste mit Wirkung vom 1.1.2000 unter der Bezeichnung „Incoterms 2000“ vollzogen wurde.
- 2. Grundsätze zum Kosten- und Gefahrenübergang: Die einzelnen, in den I. festgelegten Verpflichtungen der Parteien beruhen maßgeblich auf der Definition der Lieferverpflichtung des Verkäufers, so bes. die für die Handelspraxis wichtigen Regeln zum Gefahrenübergang vom Verkäufer auf den Käufer sowie die Regeln zur Kostenteilung der Parteien: Die Gefahr des Verlusts oder der Beschädigung der Ware sowie die Pflicht, die durch die Ware bedingten Kosten zu tragen, gehen vom Verkäufer auf den Käufer über, wenn der Verkäufer seine Verpflichtung zur Lieferung der Ware erfüllt hat. Da der Käufer keine Gelegenheit haben soll, diesen Übergang zu verzögern, legen alle Klauseln fest, dass der Kosten- und Gefahrenübergang auch vor der Lieferung liegen kann, wenn der Käufer die Ware nicht wie vereinbart abnimmt oder wenn er versäumt, Anweisungen zu geben (bez. des Verladetermins und/oder des Lieferorts), die der Verkäufer benötigt, um seine Lieferverpflichtung zu erfüllen. Als Vorbedingung für den vorgezogenen Übergang von Kosten und Gefahren gilt, dass die Ware als die für den Käufer bestimmte kenntlich gemacht wurde oder, wie in den Klauseln festgelegt, für ihn konkretisiert wurde ( Absonderung). In der Abbildung „Incoterms 2000 – Gefahrenübergang und Kostenteilung“ sind der in den Incoterms-Klauseln geregelte Gefahrenübergang vom Verkäufer auf den Käufer sowie die jeweilige Kostenteilung zwischen Verkäufer und Käufer aufgenommen.
– (3.) Abweichungen: Die I. spiegeln nur die gängigsten Handelsbräuche wider. Den Parteien bleibt es unbenommen, andere Handelsklauseln zu vereinbaren oder die I. durch Zusätze abzuändern oder im Detail zu präzisieren. Allerdings bieten die I. keine Hilfestellung bei der Formulierung derartiger Zusätze. Die ICC gibt darüber hinaus zu bedenken, dass es bei der Auslegung solcher Zusätze zu ernsthaften Schwierigkeiten kommen kann, v.a., wenn diese Zusätze nicht auf etablierten Handelsbräuchen beruhen.
- Vgl. auch  Incoterms, Abweichungen.
- 4. ICC-Schiedsgerichtsbarkeit: Obwohl die I. von der ICC entwickelt wurden, beinhaltet die Aufnahme einer oder mehrerer Incoterms-Klauseln in einen Kaufvertrag nicht automatisch auch die Vereinbarung der ICC-Schiedsgerichtsbarkeit. Wenn die Parteien für den Fall einer Auseinandersetzung die Durchführung eines ICC-Schiedsgerichtsverfahrens vereinbaren wollen, dann muss dies im Vertrag ausdrücklich und unmissverständlich durch Einigung auf die ICC-Schiedsgerichtsbarkeit erfolgen.
- 5. Incoterms 2000 nach Gruppen: Vgl. Abbildung „Incoterms 2000 – nach Gruppen“.
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Erstmals in den I. 1990 und fortgeführt in den I. 2000 hat die ICC eine Einteilung nach Gruppen vorgenommen.
- a) Die E-Klausel, bei der Verkäufer die Ware dem Käufer auf seinem eigenen Gelände oder an einem anderen benannten Ort zur Verfügung stellt, und die somit die Mindestverpflichtung für den Verkäufer darstellt, weil der Käufer alle Kosten und Gefahren, die mit dem Transport der Ware von dem Gelände des Verkäufers verbunden sind, zu tragen hat.
- b) Die F-Klauseln, nach denen der Verkäufer die Ware einem vom Käufer benannten Frachtführer zu übergeben hat.
- c) Die C-Klauseln, nach denen der Verkäufer den Beförderungsvertrag auf eigene Kosten abzuschließen hat, ohne die Haftung für Verlust oder Beschädigung der Ware oder zusätzliche Kosten, die aufgrund von Ereignissen nach dem Abtransport entstehen, zu übernehmen.
- d) Die D-Klauseln, nach denen der Verkäufer alle Kosten und Gefahren bis zur Ankunft der Ware am Bestimmungsort zu tragen hat (vgl. Tabelle „Incoterms 2000 nach Gruppen“).
- 6. Incoterms 2000 nach Transportarten: Vgl. Abbildung „Incoterms 2000 – Transportart und geeignete Incoterms-Klausel“.
Nicht jede Incoterms-Klausel eignet sich für jede Transportart. Weil es jedoch in der Handelspraxis vorkommt, dass die Transportart nicht mit der festgelegten Incoterms-Klausel übereinstimmt und deswegen auch das der Incoterms-Klausel entsprechende Transportdokument (z.B. ein Konnossement) nicht zur Verfügung steht, hat die ICC die nachstehende Zuordnung von Transportart und geeigneter Incoterms-Klausel vorgenommen.

Lexikon der Economics. 2013.

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